Willkommen in Zeuthen
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Ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz

Familien­forschungs-Wissenschaftler
Professor Hans Bertram
E-Mail:hbertram@mac.com

Kids als Problemlöser?

Stand: März 2019

Freiheit für die Kids! Diese einfache Forderung sieht ein renommierter Professor als Lösung vieler Probleme.

„Kinder sind von Haus aus neugierig. Wenn in der Schule verschiedene Kulturen aufeinander treffen, würden selbst die Burka-Trägerinnen sich schnell in unsere für sie andere Welt einpassen, wenn man sie nur ließe“, ist Professor Hans Bertram überzeugt.
Der 72-jährige Wissenschaftler gilt als eine Koryphäe in der soziologischen Familien­forschung und lebt seit 1995 in Zeuthen. Er wurde auf Vorschlag der UNICEF, wo er ehrenamtlich tätig ist, von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke mit dem Bundes­verdienstkreuz ausgezeichnet.

Jugendliebe
Der Zeuthener sollte auf Wunsch der Eltern Jurist werden. Doch er entschied sich, auf Anregung seiner Tanzkursliebe, die bald darauf zur Ehefrau wurde, für Soziologie. Er hat mit der zwei Jahre jüngeren Birgit Bertram drei erwachsene Söhne, die alle Managerposten in internationalen Konzernen ausüben, sowie vier Enkel. Der Zeuthener legte eine Bilderbuch-Karriere als Wissenschaftler zurück: 1968 bis 1973 Studium von Soziologie, Psychologie und Jura in Münster und Mannheim, 1976 „beste Promotion des Jahres“ in Düsseldorf, 1980 Habilitation in Heidelberg. Er unterrichtete an der Bundeswehrhochschule in München und leitete in der Isarmetropole zehn Jahre lang das renommierte „Deutsche Jugendinstitut“, kurz DJI.

Im Strudel der Wende
„Im Zuge der Wende konnte ich feststellen, dass unser ostdeutsches Pendant ebenfalls hervorragende Arbeit leistete. Ich hätte es gerne vor der Abwicklung bewahrt. Doch damals hatten die Naturwissenschaften Vorrang, weil sie als unpolitisch galten. Zudem war das ‚Zentralinstitut für Jugendforschung’ formell dem Ministerrat der DDR unterstellt und hatte nach der Wiedervereinigung keinen Träger mehr. Es ist außerdem Helmut Kohl negativ aufgestoßen, weil die damals eine Umfrage machten, in der die SPD als Gewinner der Bundestagswahl prognostiziert wurde.“ Prof. Bertram wurde 1992 an den Lehrstuhl für Mikrosoziologie an der Humboldt-Universität Berlin berufen, wo er bis zu seiner Pensionierung 2014 arbeitete.

Mehrere Partner
Auffallend ist, dass es Prof. Hans Bertram immer um die Praxis ging. Sein Thema ist die Familie: „Hier gab es epochale Veränderungen. Allerdings ist geblieben, dass es im Leben meist mehrere feste Partner gibt. 1910 war der Ablauf Beruf-Partnerschaft-Ehe-Kinder. Es war normal, neben der Ehe weitere Beziehungen zu haben. Heute erproben sich die Paare erst mit einigen Partnern, bevor sie eine Bindung eingehen. In Skandinavien ist es sogar so, dass man mit dem einen Partner die Kinder aufzieht und anschließend mit einem anderen den nächsten Lebensabschnitt verbringt. Mehrere Partner im Leben sind also normal“, gibt er spannende Einblicke.

Wichtige Weichenstellungen
Vielfach wirkte er mit, Weichen zu stellen. So war er maßgeblich am „Siebten Familienbericht“ der Bundesregierung beteiligt. „Damit wurde 2005 eine neue Familienpolitik begründet, da mittlerweile 80 Prozent der Frauen im Alter zwischen 18 und 49 Jahren in einem Beruf standen. Sie erarbeiten 50 Prozent unseres Bruttosozial­produkts. Kinder werden mittlerweile als Individuen mit durch die UNO verbrieften Rechten wahrgenommen, wofür ich mich sehr stark gemacht habe.
Daraus ergab sich das Recht auf einen Kitaplatz. Das wurde zu einem Konjunkturprogramm, durch das eine halbe Million neuer sozialversicherungspflichtiger Stellen in Kinder­betreuung und Pflege geschaffen wurde. Das hat uns in Deutschland geholfen, die Wirtschaftskrise 2008 besser als Nachbarländer wie Frankreich zu überstehen. Jetzt müsste die Politik hier weitere wichtige Weichen stellen und beispielsweise das Ehegattensplitting durch Familienleistungen ersetzen.“

Am Brennpunkt
Vor dem Umzug ins Eigenheim mit dem liebevoll gestalteten Garten mit idyllischem Koiteich waren die Bertrams im heutigen Berliner Brennpunkt-Stadtteil Neukölln zuhause. „Wir haben uns dort prinzipiell sehr wohl gefühlt. Doch als die Kinder sich kaum mehr durch den Kreuzberger Wrangelkiez trauten, weil ihnen dort von Gangs fast alles was sie dabei hatten, abgenommen wurde, suchten wir eine ruhigere Gegend.“
Heute sieht Prof. Hans Bertram das Aufeinanderprallen von Kulturen als größtes Problem. „Wer zu uns kommt, muss sich klar darüber sein, dass die Spielregeln einzuhalten sind. So gilt, dass es bis zum 14. Lebensjahr keine Verschleierung geben darf. Anschließend wirkt die Religionsfreiheit, danach können die Kinder selbst entscheiden.“

Rat für die Ministerin
„In den Schulen müssten ebenfalls neue Weichen gestellt werden. Die Lehrer wurden bisher dazu ausgebildet, ihr Wissen an die Kinder weiterzugeben. Nun geht es darum, dass die Eltern, wie vorher in der Kita, einbezogen werden“, hat Dr. Hans Bertram schon wieder neue Ideen.
Diese haben durchaus das Potenzial, verwirklicht zu werden, denn der Bundes­verdienstkreuzträger gehört zum wichtigen Stab der Berater um die neue Familienministerin Dr. Franziska Giffey. Sie hat als frühere Bezirksbürgermeisterin von Neukölln ja ebenso hautnahen Einblick in diese Problematik sammeln können wie der Zeuthener Professor!